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21.09.17 | Aktuelles, Pflege- und Gesundheitsmanagement

Besuch des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit 2017

Bericht einer studentischen Projektgruppe

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ - so könnte auch die Überschrift unserer Studienfahrt im Juni gelautet haben. Ziel war jedoch kein Fußballspiel, sondern der Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit 2017“. Der Kongress, welcher sich aus einem Ärzteforum, dem Deutschen Pflegekongress sowie dem Hauptstadtforum zu Gesundheitspolitik, Krankenhauswesen und Rehabilitation zusammensetzt, fand in diesem Jahr bereits zum 20. Mal statt. Ein richtungsweisender Austausch von Experten und jenen, die es werden wollen. 

Nach einer entspannten Anreise per ICE empfing uns die Hauptstadt mit rund 30 Grad Sonnenschein. Nach Bezug des Hostels ging es direkt weiter zur geplanten Stadtführung. Diesmal aber nicht mit den klassischen Zielen, wie dem Brandenburger Tor, der Siegessäule oder dem Bundestag.

Ein informativer zweistündiger Rundgang durch den Kreuzberger „Kiez“, insbesondere mit Blick auf die gesundheitliche Versorgung einer multikulturellen Bewohnerschaft wurde von unserem einheimischen Guide Michael Hopp geleitet.

Aus dem Zusammenleben von Bewohnern aus 163 verschiedenen Nationen in nur einem Bezirk ergibt sich zum einen ein besonderes Potential, andererseits eine Anzahl besonderer Probleme. So bildeten die Themen Gentrifizierung mit resultierendem massiven Anstieg der Mieten, Kriminalität oder Entwicklungen im Drogenmilieu wichtige Schwerpunkte unserer „Kiez-Tour“.

Viele, die bis dahin den Eindruck hatten, Berlin sei eine graue Stadt, wurde eines Besseren belehrt. Vor allem was die Bepflanzung mit Bäumen angeht ist Berlin weltspitze. Mit 80 Bäumen pro Straßenkilometer schlägt die Bundeshauptstadt z.B. München (40 Bäume/km) und New York (14 Bäumen/km) um Längen. Mit dem Besuch des Engelbeckens erlebten wir Geschichte zum Anfassen, da wir direkt durch den Todesstreifen der ehemaligen Berliner Mauer unsere Tour fortsetzten. Kaum vorstellbar, dass an dieser Stelle vor nur 30 Jahren sich ein zweigeteiltes Deutschland aggressiv gegenüberstand.

Den Abschluss unserer Tour bildete das ehemalige Bethanien-Krankenhaus, dieses wird heute als Kulturzentrum, Musikschule und Restaurant genutzt. Die ehemalige Theodor Fontane Apotheke erinnerte an den Charme des 19.Jahrhunderts und rief bei vielen die Gedichte und Novellen des spät berufenden Schriftstellers vor Augen. Bei einem gemeinsamen Biergartenbesuch am Landwehrkanal fand der erste Tag seinen Ausklang.

Ab dem zweiten Tag stand für uns nun alles unter dem Zeichen des Hauptstadtkongresses. Eröffnet von Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe unter der Moderation von Dr. Ekhard v. Hirschhausen (bekannt aus Funk und Fernsehen) startete die angliederte Fachmesse und der eigentliche Kongress.

Die im Vorfeld an alle Studierenden verteilten Themen sorgten für ein abwechslungsreiches Portfolio an zu besuchenden Vorträgen und Diskussionen. Die daraus entstandenen Berichte wurden in einem fast 100-seitigen Kongressband von uns zusammengetragen und publiziert.

Ethische Grundsatzfragen, etwa die Reduzierung von Patienten auf „Diagnoseträger“ („Die Niere von Zimmer 6“) oder Weiterentwicklungen im Bereich der digital gestützten Gesundheitsversorgung bildeten nur einige von vielen Highlights. Vorträge zu Personalentwicklungsmaßnahmen im Gesundheitswesen, zu Problemen der Akademisierung der Pflege oder zur Frage „Wird in Deutschland zu viel operiert?“ verdeutlichten das breite Spektrum des Hauptstadtkongresses.

Von besonderem Interesse für uns waren Vorträge, die sich mit der Generation Y befassten, also der von 1980 bis ca. 1996 geborene Personen und der nachfolgenden Generation. Diese „Y–Typisierten“ bilden die nächste Führungsgeneration und zukünftigen Wissensträger. So wurde die Frage erörtert: „Wie kann die Ausbildung im Gesundheitswesen an den gesellschaftlichen und technischen Fortschritt angepasst werden?“ Weiterentwicklungen in der Ausbildung müssen vor allem auf die Generation Z (ab 1996 Geborene) als „Digital Natives“ zugeschnitten werden. YouTube Videos, speziellen Smartphone Apps oder intensive Arbeit in sozialen Netzwerken werden hier zunehmend bedeutsam. Auch wird die Aktualität der in Schulen und Hochschulen vermittelten Inhalte durch die einfache Verfügbarkeit von Wissensbeständen von Lernenden gegengeprüft werden können. Curricula, Lehrpersonen wie Praxisanleiter stehen somit unter stetigem Druck der Aktualität.

Neben dem thematisch breiten Vortragsprogramm erwies sich ein Besuch des Messebereichs als besonders abwechslungsreich und informativ. Von Klinikträgern, Krankenkassen über Pharmazieunternehmen, Softwareanbieter und Großküchenzulieferer blieb kaum ein Segment des Gesundheitswesens ausgeklammert. An den Präsentationsflächen, etwa der Deutschen Ärztebank, spezieller Gesundheitshochschulen oder wissenschaftlicher Verlagen fand man stets gute Gesprächspartner und konnte wertvolle Kontakte knüpfen.

Etwas erschöpft traten wir nach drei Tagen Kongress die Heimreise an. Sturmtief „Paul“ bescherte uns auf der Rückreise noch einiges Unvorhersehbare. Die vorhergesagte unwetterbedingte ICE-Verspätung von 3 Stunden blieb uns durch einen geschickten Wechsel der Zugverbindung erspart. Mit nur 20 Minuten Verspätung kamen wir schließlich in Würzburg an.

Wie auch eine abschließende Befragung der Studierenden ergab, wurde der Besuch des Hauptstadtkongresses als großer Gewinn für unser Studium wahrgenommen. Das Zusammenspiel der Inhalte des Studiums und der auf dem Kongress diskutierten Themen wurde in vielen Gesprächen deutlich. Mit einem breiten Überblick hinsichtlich Gesundheitspolitik, Gesundheitswirtschaft, Pflege und einem Einblick in die Ärztelandschaft konnten in kurzer Zeit vielfältige Informationen und Eindrücke aufgenommen werden, die im weiteren Studium sicherlich gut genutzt werden können.